Die Hudewälder Rumäniens in Transsylvanien: Ökologie, landbauliche Perspektiven und nachhaltige Einbindung in die Kulturlandschaftsentwicklung
Die Ergebnisse des Hudewaldprojektes liegen nun im Abschlussbericht vor. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) förderte diese erste umfassende biokulturelle Bewertung von Hudewäldern in Europa (Förderkennzeichen 37480; Projektlaufzeit: 01. Januar 2022 – 30. Juni 2025). Zwei Arbeitsgruppen der Babeș-Bolyai-Universität und des IfaS, an denen bis zu 24 Kolleginnen und Kollegen beteiligt waren, bearbeiteten ein breites Spektrum an Forschungsfragen und fassten ihre Ergebnisse in begutachteten wissenschaftlichen Publikationen sowie in diesem Abschlussbericht zusammen.
Was das Projekt dokumentierte: rasche Transformation und sich verschiebende Referenzzustände
Der rumänische Projektleiter, Prof. Dr. Tibor Hartel, und das Mitglied des wissenschaftlichen Beirats, Prof. Dr. László Rákosy, brachten gemeinsam mit ihren Arbeitsgruppen Kenntnisse über die siebenbürgischen Hudewälder ein, die seit Mitte der 2000er-Jahre gesammelt wurden – Wissen von unschätzbarem Wert für dieses Projekt und für zukünftige Initiativen. Diese Langzeitperspektive machte einen besonders wichtigen Aspekt sichtbar: In den Jahren 2022–2025 konnten wir eine Verstärkung der Transformation der siebenbürgischen Hudewälder von einer traditionellen hin zu einer modernen Kulturlandschaft beobachten.
Frühere Studien wurden zu einer Zeit durchgeführt, in der es keine gravierenden sozioökonomischen oder kulturellen Veränderungen in der Landwirtschaft gab, insbesondere nicht in den Weidesystemen. Daher galten mehrere ikonische Merkmale der Hudewälder – wie das Vorhandensein großer (alter) Bäume, das weitgehende Fehlen von Zäunen, verstreute Sträucher und eine reiche Tierwelt (einschließlich Bären) – als völlig normal für die historischen Hudewälder. So normal, dass man sich kaum vorstellen konnte, dass diese Merkmale innerhalb weniger Jahre verschwinden oder sich drastisch verändern könnten.
Genau dies geschah jedoch zwischen 2022 und 2025: Innerhalb kurzer Zeit erlebten wir tiefgreifende Veränderungen. Diese sind so bedeutend, dass sie kaum vollständig zu erfassen oder zu dokumentieren sind. Auf Grundlage dieser Beobachtungen müssen wir davon ausgehen, dass bis 2030 viele siebenbürgische Hudewälder zentrale Elemente ihres traditionellen Erscheinungsbildes (Physiognomie) sowie wichtige ökologische und soziale Funktionen auf Landschaftsebene verloren haben werden. Noch alarmierender ist der Effekt des „Shifting-Baseline-Syndroms“: Bis 2030 werden sich viele Menschen wahrscheinlich nicht mehr daran erinnern, wie diese Hudewälder einst wie auch in der jüngeren Vergangenheit ausgesehen haben.
Zentrale Ergebnisse in Zahlen
- Konsortium und Kapazitäten: 2 akademische Institutionen, bis zu 24 Kolleginnen und Kollegen aus Deutschland und Rumänien
- Begutachtete Publikationen: 8 wissenschaftliche Artikel in Fachzeitschriften wie Scientific Reports, Conservation Science and Practice, Applied Vegetation Science, Trends in Ecology and Evolution, Journal of Biogeography, Ecosystems and People, Frontiers in Environmental Sciences sowie People and Nature; zusätzlich 1 weiteres Manuskript derzeit im Begutachtungsprozess bei Ecology and Society. Zusammen fördern diese Publikationen die biokulturelle Forschung durch die Integration ökologischer, kultureller und Governance-Perspektiven.
- Ökologische und biokulturelle Datengrundlage: umfassende Erhebung von 110 Hudewäldern einschließlich ihrer biokulturellen Charakterisierung
- Sozialforschung und Einbindung der lokalen Bevölkerung: 32 halbstrukturierte Interviews und Fokusgruppen mit 55 Teilnehmenden in 16 Ortschaften in Siebenbürgen sowie 3 gemeinschaftsbezogene Aktivitäten; insgesamt rund 167 erreichte Personen (kumulierte Teilnahme an Interviews/Fokusgruppen und Gemeinschaftsveranstaltungen)
- Politische Wirkung: Beitrag zum Gesetz 97/2023 zum Schutz bemerkenswerter Bäume (einschließlich großer alter Bäume) sowie ein Beitrag des Projektteams zum rumänischen Forstgesetzbuch (2024)
- Nachwuchs und Ausbildung: 3 Masterarbeiten im Rahmen des Projekts abgeschlossen (Rumänien, Deutschland, Schweiz)
- Europäische Verbreitung: Präsentation auf dem internationalen LIFE-Plattformtreffen zur Waldrestaurierung in Europa (Brașov, Juni 2025) mit 90 Teilnehmenden aus 17 EU-Mitgliedstaaten, dem Vereinigten Königreich und Serbien; vertreten waren 38 LIFE-Projekte sowie relevante Horizon- und Interreg-Initiativen
- Öffentlichkeitsarbeit: Projekt-YouTube-Kanal mit 24 Videos, produziert auf Basis von 76 besuchten Standorten und gefilmten Interviews
Warum Hudewälder wichtig sind und warum rasches Handeln erforderlich ist
Gerade weil die Forschung zur Biodiversität von Hudewäldern erst in jüngerer Zeit intensiviert wurde, ist es essenziell, die rumänischen Hudewälder als grünes Kulturerbe von herausragender europäischer Bedeutung für zukünftige Generationen zu bewahren. Studien heben übereinstimmend ihren hohen Biodiversitätswert hervor, ihre im Vergleich zu anderen Landnutzungsformen (z. B. offene Weide, geschlossener Wald) eigenständigen Tier- und Pflanzengemeinschaften, die Rolle alter Bäume als Biodiversitäts-Hotspots sowie das Vorkommen seltener und geschützter Arten und Lebensräume. Hudewälder sind außerordentlich artenreich, kulturell bereichernd und in Europa unersetzlich.
Während des gesamten Projekts haben wir gezielt junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Studierende aus Rumänien und Deutschland in unsere Arbeit eingebunden. Dieser Ansatz bereicherte das Projekt durch die Einbeziehung „junger Perspektiven“ und ermöglichte es uns zu beobachten, wie junge Menschen – ausgestattet mit Wissen über Hudewälder – eigene Ideen entwickelten und praktisch aktiv wurden, sowohl bei Pflanzaktionen als auch in der Feldbiologie. Ziel ist es nicht, den Niedergang zu beklagen, sondern Lösungen für die zukünftige biokulturelle Transformation der Hudewälder zu identifizieren.
Abschlussbericht: LINK
Weitere Informationen: https://transylvanian-wood-pastures.eu/
Videos: https://www.youtube.com/@transylvanian-wood-pastures

