Am 29. September 2026 trafen sich fast 100 Teilnehmende bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, um die Ergebnisse von fünf Agroforst-Vorhaben zu diskutieren. Das IfaS war mit AGROfloW und MODEMA dabei.


Agroforstwirtschaft ist längst mehr als eine Idee für einzelne Pionierbetriebe. Das zeigte die Ergebniskonferenz der fünf Geschwistervorhaben AGROfloW, DigAForst, MODEMA, PappelWERT und SALIX AFS, die am 29. September 2026 in der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Hannover stattfand. Fast 100 Personen aus Landwirtschaft, Forschung, Beratung, Verwaltung und Politik nahmen teil. Grußworte sprachen Caroline Hendrischke (Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, BMLEH), Henning Schmidtke (ML NI) und Dr. Vinzenz Bauer (LWK NI).
Auch das IfaS war vor Ort: Als Koordinator von AGROfloW und als Partner im Vorhaben MODEMA brachte das Team seine Erfahrungen und Zwischenergebnisse in die Diskussion ein. Das IfaS war mit zwei Vorträgen vertreten. Frank Wagener, Bereichsleiter Biomasse und Kulturlandschaftsentwicklung, stellte AGROfloW mit dem Schwerpunkt Wasserhaushalt vor. Im Mittelpunkt standen die Einbeziehung der Agroforst-Baumstreifen in das Modell und die dafür nötigen Messungen. Außerdem präsentierte er das Konzept der produktionsintegrierten Kompensation (PIK) durch Agroforst am Beispiel der Gewässerrenaturierung am Tauchnitzgraben. Hierbei war die Resonanz des Publikums aüßerst positiv.
Martin Pesch, Projektmanager am IfaS, stellte den Beitrag von AGROfloW zu MODEMA vor: eine Zusammenstellung der Kosten von sieben Arbeitsverfahren im Zusammenhang mit Agroforstsystemen. Die Daten liegen inzwischen vor und werden im kommenden Jahr veröffentlicht. Die Datenerhebung wird weitergeführt, um die Auswertung zu vertiefen.
Die fünf Vorhaben beleuchten Agroforst aus unterschiedlichen Blickwinkeln, darunter Wasserkreisläufe, Digitalisierung, Kartierung und Simulation, Pappel- und Weidenanbau sowie Wertschöpfungsketten. Gemeinsam ergibt sich ein deutlich umfassenderes Bild, als es ein einzelnes Projekt leisten könnte. Dabei wurde auch deutlich: Agroforst ist kein Standardmodell. Es braucht angepasste Lösungen, sorgfältige Planung, fachliche Begleitung, finanzielle Förderung und einen langen Atem.
Drei Botschaften nehmen wir aus Hannover mit:
- Agroforstwirtschaft ist praktisch umsetzbar, wenn sie standortgerecht geplant und fachlich sowie finanziell begleitet wird.
- Ökologische Leistungen sind eine Grundlage wirtschaftlicher Wertschöpfung und keine freiwillige Zusatzleistung.
- Aus guten Projektergebnissen müssen verlässliche Strukturen und passende Rahmenbedingungen entstehen.
Offene Fragen bleiben unter anderem die langfristige Pflege der Systeme, die wirtschaftliche Bewertung verschiedener Gehölze und Produkte, die Messung von Ökosystemleistungen und die Integration in bestehende Förderstrukturen. Die Geschwistervorhaben appellieren deshalb an den Fördermittelgeber, die vorgesehene Verlängerung von MODEMA und dem AGROFORST-NETZWERK um zwei Jahre zu genehmigen, damit Ergebnisse validiert und nächste Schritte gemeinsam gegangen werden können.
Ein herzlicher Dank gilt dem Deutschen Fachverband für Agroforstwirtschaft (DeFAF) e. V. und allen Beteiligten für die Organisation und den offenen Austausch, auch über Herausforderungen und offene Fragen.
Mehr zur Konferenz, einschließlich des neuen Themenblatts Nr. 12 „Investitionen in Agroforstsysteme“, finden Sie im Beitrag des DeFAF.
