Der Feldtag auf dem Wackenberger Hof stieß auf großes Interesse: Mehr als 60 Teilnehmende aus Landwirtschaft, Kommunen, Landesbehörden, Verbänden, Wissenschaft und Beratung informierten sich zum Thema „Agroforstwirtschaft als Werkzeug für Landwirtschaft, Bioökonomie, Wärmewende, Erosions- und Starkregenvorsorge“.
Zum Auftakt begrüßte AFaktive-Projektleiter Jörg Böhmer unter anderem Petra Berg, Ministerin für Umwelt, Klima, Mobilität, Agrar und Verbraucherschutz des Saarlandes, die Kreisbeigeordnete des Landkreises Neunkirchen Daniela Feld, den Eppelborner Bürgermeister Dr. Andreas Feld sowie den Oberthaler Bürgermeister Björn Gebauer.
Die Gastgeber Ina und Johannes Dörr stellten ihren Biolandbetrieb, den Wackenberger Hof, vor. Ein Agroforstsystem wird dort bereits seit mehreren Jahren zur Gestaltung der Legehennenausläufe genutzt. Die mit verschiedenen Pappelarten bepflanzten Flächen bieten den Tieren Schutz und Schatten. Das neu angelegte Agroforstsystem auf den Ackerflächen verfolgt darüber hinaus mehrere Ziele: den Schutz des Bodens vor Erosion, die langfristige Ertragssicherung sowie die Erzeugung von Energieholz und künftig auch Mostobst.
Andreas Biehler von der htw saar und Jorin Herbst vom IfaS erläuterten die hydrologischen Wirkungen von Gehölzstreifen. Neben dem direkten Schutz der bepflanzten Flächen können Agroforstsysteme den Eintrag abgeschwemmter Bodenpartikel in Oberflächengewässer verringern. Werden solche Strukturen in größerem Umfang innerhalb eines Einzugsgebiets etabliert, können sie zudem einen Beitrag zur Starkregenvorsorge leisten.


Nach einer kurzen Einführung in die örtlichen Gegebenheiten und einer Betrachtung der Agroforstflächen aus der Vogelperspektive besichtigten die Teilnehmenden die nahegelegene Anlage. Trotz der noch jungen Pflanzungen und der herausfordernden Trocken- und Hitzeperiode des Sommers waren die zukünftigen Potenziale des Systems bereits erkennbar.

Zum Mittagsimbiss kehrte die Gruppe auf den Hof zurück. Dort zeigte Jörg Böhmer anhand verschiedener Praxisbeispiele, wie Agroforstwirtschaft regionale Energieversorgung und kommunale Daseinsvorsorge miteinander verbinden kann. Am Nachmittag standen die Themen Planung, Anlage und Pflege von Agroforstsystemen im Mittelpunkt. Jorin Herbst, Martin Pesch und die Familie Dörr berichteten über die Entstehung der Anlage, die eingesetzte Technik sowie erste Erfahrungen aus der Praxis.
Zum Abschluss wurden Kosten- und Wirtschaftlichkeitsaspekte diskutiert. Dabei machte das IfaS-Team deutlich, dass Agroforstsysteme unter geeigneten Bedingungen wirtschaftlich attraktive Perspektiven bieten können. Ergänzt wurden die Ausführungen durch die Praxiserfahrungen des Landwirts Axel Schönbeck aus Rheinland-Pfalz, der seit vielen Jahren im Agrarholzanbau tätig ist.
In der abschließenden Diskussion waren sich die Beteiligten einig: Die Agroforstfläche auf dem Wackenberger Hof hat Modellcharakter und markiert einen wichtigen Meilenstein für die Entwicklung der Agroforstwirtschaft im Saarland.
Zentrale Erkenntnisse der Veranstaltung
- Die beteiligten Kommunen signalisierten großes Interesse an einem Pilotprojekt zur regionalen Skalierung der Agroforstwirtschaft im Saarland. Im Fokus stehen dabei sowohl Beiträge zur kommunalen Wärmewende als auch Funktionen der Daseinsvorsorge wie Erosions- und Starkregenvorsorge. Das IfaS wird hierzu ein entsprechendes Konzept erarbeiten und dem Umweltministerium vorstellen.
- Für eine breite Umsetzung der Agroforstwirtschaft spielt Kooperation eine zentrale Rolle. Dies betrifft sowohl den Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten mit Kommunen und Unternehmen als auch die Zusammenarbeit bei Planung, Pflanzung, Pflege und Ernte.
- Vertreterinnen und Vertreter der Landwirtschaft sprachen sich für einen intensiveren Austausch über Agroforstsysteme als produktionsintegrierte Kompensationsmaßnahme aus. Darüber hinaus wurde der Wunsch geäußert, bestehende Ansätze bei Kompensationsmaßnahmen gemeinsam mit Naturschutz und Landwirtschaft weiterzuentwickeln.
Der Feldtag wurde vom Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) in Zusammenarbeit mit der Kompetenzzentrum für Klimafolgenanpassung und Katastrophenschutz (KoK²) der htw saar organisiert und fand im Rahmen der bundesweiten Woche der Klimaanpassung statt. Ein besonderer Dank gilt Ina und Johannes Dörr für die Einblicke in ihren Betrieb sowie ihre herzliche Gastfreundschaft.

