Beitragsbild: Entstehung einer neuen Kulturlandschaft | © IfaS/Frederik Wagener
Wie können Landwirtschaft, Gewässerschutz, Energieversorgung und Klimaanpassung gemeinsam zur Zukunft des ländlichen Raums beitragen? Antworten auf diese Fragen wurden in der vergangenen Woche im Rahmen zweier Feldtage und eines Workshops im Wurzener Land diskutiert. Im Agroforstsystem Böhlitz und am renaturierten Tauchnitzgraben informierten sich Fachleute aus Kommunen, Landwirtschaft, Wasserwirtschaft, Wissenschaft und Naturschutz sowie Bürgerinnen und Bürger über innovative Ansätze der Kulturlandschaftsentwicklung, die ökologische und wirtschaftliche Ziele miteinander verbinden. Darüber hinaus wurde über die Weiterentwicklung und Übertragbarkeit dieser Ansätze diskutiert. Die Veranstaltungen fanden im Rahmen der Förderprojekte FNR AGROfloW (Schwesterprojekt von AFaktive) und LIFE-IP ZENAPA statt.
Bürgerinnen und Bürger als wichtiges Puzzleteil
Am Abend des 02. Juni 2026 trafen sich ca. 20 Bürgerinnen und Bürger, darunter Mitglieder der Gemeinderäte Thallwitz und Lossatal sowie Grundstückseigentümerinnen und -eigentümer, um sich über die Böhlitzer Agroforstpflanzungen zu informieren. Bei einer Führung durch das Agroforstsystem am Tauchnitzgraben, erläuterten Thomas Pöge (Bürgermeister Gemeinde Thallwitz) und Frank Wagener (Institut für angewandtes Stoffstrommanagement, IfaS) unter anderem die Entstehung des Projektes in der Region und betonten, dass die Verwirklichung ohne die Unterstützung der Gemeinderäte sowie die Zustimmung der Eigentümerinnen und Eigentümer so nicht möglich gewesen wäre – auch sie sind wichtige Bausteine auf dem Weg in eine nachhaltige Kulturlandschaft. Bei den anschließenden Gesprächen bei Imbiss und Getränken wurden zahlreiche Fragen beantwortet, und es zeigte sich der positive Anklang des Projekts in der Region.
Verschiedene Perspektiven – eine Lösung
Der darauffolgende Tag galt dem Fachpublikum. Etwa 100 Teilnehmende aus Kommunen, Landwirtschaft, Wasserwirtschaft, Wissenschaft und Naturschutz konnten das Renaturierungsprojekt Tauchnitzgraben sowie das angrenzende Agroforstsystem kennenlernen.
Eröffnet wurde der Feldtag mit einem Grußwort des Staatssekretärs im Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft, Ulrich Menke, der die bisherigen Leistungen der Projektpartner würdigte. Er betonte, dass mit den Projekten in Böhlitz und am Tauchnitzgraben wichtige Pionierarbeit geleistet wurde, die dazu beitragen könne, ähnliche Vorhaben künftig auch an anderen Standorten leichter umzusetzen. Im Anschluss informierte er sich im Rahmen der Feldführungen vertieft über die Maßnahmen vor Ort.
Den Teilnehmenden wurde bei sechs thematischen Führungen das Projekt aus den Perspektiven der Landwirtschaft, Kommune und Energiewirtschaft, Wasserwirtschaft, Planung, Naturschutz und Wissenschaft nähergebracht. Dies unterstreicht die zentrale Botschaft dieses deutschlandweit einzigartigen Projekts: Wenn alle zusammenarbeiten, ist es möglich, zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln, von denen alle profitieren.
Die Führungen wurden geleitet durch die Projektbeteiligten Alexander Krebs (Agrargenossenschaft Böhlitz e.G.) und Tobias Peschel (Lignovis GmbH), Dr. Andreas Stowasser (Stowasserplan GmbH & Co. KG) und Bürgermeister a.D. Uwe Weigelt (Lossatal), Stefanie Kleine (Wurzener Land-Werke GmbH) und Thomas Pöge (Bürgermeister Thallwitz), Katrin Dachsel (Stowasserplan GmbH & Co. KG) und Clara Thoma (IfaS), Frank Wagener (IfaS) und Dr. Wolfgang Zehlius-Eckert (DeFAF e.V.) sowie Martin Pesch (IfaS).
Schritte in die Praxis
Im Anschluss an die Führungen gab es reichlich Zeit für vertiefende Diskussionen und Austausch, die von den Teilnehmenden intensiv genutzt wurde. Die Themen waren so vielfältig wie die Beteiligten: Neben den rechtlichen und bürokratischen Hürden, auf dem Weg des bereits 2017 gestarteten Prozesses für das Renaturierungskonzept, wurden auch ganz praktische Aspekte, wie die maschinelle Pflege des Agroforstsystems, etwa anhand einer Maschinenvorführung, diskutiert.
Im Gesamten zeigte der Feldtag nicht nur das erfolgreiche Ergebnis kooperativer Zusammenarbeit zwischen den genannten Beteiligten, sondern auch, wie viel Durchhaltevermögen es aktuell noch braucht, um ein solches, innovatives Konzept in die Umsetzung zu bringen.
Genau hier setzte ein am Nachmittag stattfindender Workshop an. In einem kleinen Expertenkreis von ca. 15 Personen wurde diskutiert, was es braucht, um das Konzept in der Praxis umsetzbar und übertragbar zu machen, an welchen Stellschrauben noch zu drehen ist und welche nächsten Schritte erforderlich sind, damit dieses Pionierprojekt am Tauchnitzgraben seine volle Strahlkraft entfalten kann.
Organisiert wurden die drei Veranstaltungen maßgeblich durch die Gemeinden Thallwitz und Lossatal, die Wurzener Land-Werke GmbH, den Geopark Porphyrland sowie das Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) mit Unterstützung durch die von der EU und dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Heimat geförderten Projekte LIFE-IP ZENAPA und AGROfloW und im Zusammenwirken mit dem Referat 44 des Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft.
Der MDR war ebenfalls vor Ort und berichtete in zwei Videobeiträgen über das Projekt:
















